Deutschlands Speditionen und
Logistikunternehmen in Insolvenz-Krise.
"Aktuell melden die USA Riesenprobleme durch immer mehr Speditionen, die Insolvenz anmelden müssen, - vor allem wegen des überteuerten und dezimierten Diesel-Angebots.
Aber was ist mit Deutschland? Da ist es noch viel schlimmer. Als strukturelle Treiber gelten in den Verbandsaussagen vor allem die CO2-Komponente der Lkw-Maut (Aufschlag seit Dezember 2023, Mehrbelastung in der Größenordnung mehrerer Milliarden Euro im Jahr), Personalmangel und die schwache Weitergabe höherer Kosten an Auftraggeber – und jetzt kommt auch noch das Diesel-Drama dazu, das die Welt erfasst hat.
Für reine Speditionen nennt die Deutsche Verkehrs-Zeitung auf Basis des Statistischen Bundesamts diese Insolvenz-Antragszahlen:
- 2023: 9
- 2024: rund 140 (plus 45 Fälle, etwa +47 Prozent)
- 2025: 171 (plus 31 Fälle, etwa +22 Prozent)
In den drei abgeschlossenen Jahren 2023 bis 2025 sind das zusammen etwa 406 Insolvenzanträge von Speditionen. Zum Vergleich im selben Sektor „Verkehr und Lagerei“ 2025: insgesamt 1.005 Anträge, davon 402 im Straßengüterverkehr, 171 Speditionen und 180 Post-, Kurier- und Expressunternehmen.
Die Insolvenzquote in Verkehr und Lagerei lag 2025 mit 133 je 10.000 Unternehmen branchenweit am höchsten. In der weiteren Branche Transport und Logistik bleibt die Quote hoch: bis Anfang September 2026 zählte eine Auswertung eröffneter Verfahren dort bereits 575 Fälle, nach 694 im gesamten Jahr 2025.
Seit vielen Monaten warnen die Vertreter der Logistikunternehmen – und Verbände. Die schärfsten Aussagen kommen vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und vom Bundesverband Spedition und Logistik.
Dirk Engelhardt (BGL-Vorstandssprecher) sagte der dpa im April 2026, die Lage sei „im Moment katastrophal“. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen würden die Insolvenzen weiter steigen, zuerst vor allem bei kleineren und mittleren Betrieben. Als Belastung nannte er unter anderem die hohen Spritpreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und den Fahrermangel: Der BGL beziffert die Lücke auf rund 120.000 fehlende Fahrer.
Die Verbände rechnen laut Branchenauswertungen damit, dass die Pleiten unter diesen Bedingungen zunehmen. Frank Huster (DSLV-Hauptgeschäftsführer) sagte Anfang Oktober 2026 bei einer Mitgliederversammlung in Hamburg, die Branche stehe „erheblich unter Druck, weil sie halt unter einem extremen Kostenzuwachs leidet“.
Gründe seien hohe Tankkosten, Ausgaben für die CO2-Transformation, Personalkosten und internationale Verwerfungen, die die Zollabwicklung erschweren.. Er sieht schmelzende Umsätze und Margen und spricht sich dafür aus, den nationalen Zertifikatehandel im Verkehr auszusetzen, bis das EU-System greift.
Der Kreditversicherer Atradius erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg der Insolvenzen in Transport und Logistik, unter anderem wegen geopolitischer Spannungen, hoher Energiepreise und steigender Betriebskosten.
Eine Branchenbefragung (rund 100 Betriebe, Mai/Juni 2026) zeigt die Kettenwirkung: 70 Prozent hatten schon direkte oder indirekte Folgen einer fremden Insolvenz, 47 Prozent mehr Zahlungsausfälle oder verspätete Zahlungen. 86 Prozent nennen Energie-, Personal- und Kraftstoffkosten als größte Herausforderung.
Was die meisten Leute nicht verstehen: Das Transportgewerbe ist unser wichtigster Zulieferer für alle Lebensmittel, Kleidung und sämtlicher Konsum. Wenn diese Lieferketten reißen, wird es einen Notstand geben, der sehr schnell zu einer fundamentalen Versorgungskrise führen kann.






