Retten oder sterben lassen?
Wal-Drama in Deutschland – andere Länder wundern sich.
"In Deutschland sorgt ein gestrandeter Buckelwal vor der Insel Poel seit Wochen für riesiges Aufsehen. Während Behörden den Wal zunächst in Ruhe lassen wollten, versucht eine private Initiative nun, ihn zu retten. Im Ausland wird das deutsche „Wal-Schauspiel“ mit Kopfschütteln beobachtet.
Der etwa zwölf Meter lange Buckelwal war Ende März vor Poel gestrandet. Die Behörden hatten nach Expertengutachten entschieden, ihn nicht zu retten. Nach massivem Druck aus Sozialen Medien und Politik wurde einer privaten Initiative schließlich doch erlaubt, Rettungsversuche zu starten.
Medien wie die New York Times sprechen von „Deutschlands Lieblingswal“ und einem „Touristen- und Medienspektakel“. Spanische und portugiesische Zeitungen berichten von einem „Medienphänomen“, bei dem jede kleinste Veränderung live übertragen wird. Viele sehen den Trubel auch im Zusammenhang mit dem hitzigen Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern.
In anderen Ländern gehen Strandungen deutlich nüchterner vonstatten. In Dänemark, Spanien, Portugal oder Japan werden gestrandete Wale (Pottwale, Zwergwale, Delfine) meist sich selbst überlassen. Rettungsversuche bei großen Tieren sind selten und oft erfolglos – die Natur soll ihren Lauf nehmen.
Das deutsche Wal-Drama zeigt vor allem eines: Wie emotional und irrational hierzulande mit einzelnen Tieren umgegangen wird – während andere Länder mit mehr Strandungen deutlich pragmatischer reagieren."






