Der neue Wehrdienst kommt: Noch darf man
nein sagen – aber der Staat zählt schon mit.
"Wer ab 2008 geboren wurde, bekommt Post vom Staat. Junge Männer müssen antworten, junge Frauen dürfen. (...) Es ist der Moment, in dem Deutschland nach Jahren sicherheitspolitischer Schonhaltung wieder wissen will, wen es im Ernstfall eigentlich gebrauchen könnte. (...)
Offiziell bleibt der Dienst freiwillig. Niemand soll gegen seinen Willen in die Kaserne gepresst werden. Aber die Wehrerfassung kehrt zurück. (...) Für Männer wird die Musterung schrittweise wieder Pflicht; wer den Fragebogen ignoriert, riskiert nach Mahnungen ein Bußgeld von etwa 250 Euro. (...)
Der Staat sagt: Du hast die Wahl. Zugleich baut er ein System auf, das diese Wahl vermisst, sortiert, bewertet und politisch auswertet. (...) Wir setzen auf Freiwilligkeit, halten aber die Instrumente bereit, falls die Freiwilligkeit nicht reicht. (...)
Die Bundesregierung peilt langfristig eine militärische Gesamtstärke von rund 460.000 Kräften an: etwa 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten. Das Verteidigungsministerium meldete zwar im Mai 2026 einen positiven Personaltrend und rund 185.900 Soldaten. Doch selbst diese leichte Aufwärtsbewegung ändert nichts an der Lücke. (...)
Ja, der Dienst selbst ist vorerst freiwillig. Doch aufgepasst, der Staat fragt nicht mehr ganz unverbindlich. Man darf noch nein zum Dienst sagen. Aber nicht mehr nein zur staatlichen Nachfrage. ..."
Ein Bericht der BERLINER ZEITUNG






