Geheimer Testbericht: Milliardenteures
IT-Desaster bei der Bundeswehr.

Neuer Digitalfunk der Bundeswehr ist „Gefahr für Leib und Leben“!

"Bei der dringend notwendigen Digitalisierung von Funk- und IT-Kommunikation der Bundeswehr gibt es erneut erhebliche Zweifel. Ein bislang unter Verschluss gehaltener Testbericht zeigt: Ende des Jahres musste bereits ein zweiter Einsatztest wegen schwerwiegender Fehler abgebrochen werden. Das neue Funksystem fiel krachend durch.

Dem (...) Papier zufolge waren die Mängel der im November getesteten Version so gravierend, dass bereits im regulären Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit umgerüsteten Kampfpanzern „Gefahr für Leib und Leben“ bestanden habe.

„In seinem derzeitigen Zustand ist das Gesamtsystem D-LBO basic weder reif für eine Einsatzprüfung noch für den Ausbildungs- und Übungsbetrieb geeignet. (...)

Bis Herbst sind weitere Tests geplant, Kritiker sehen die Umrüstung mehr denn je unter Vorbehalt. (...)

Mit dem jetzt erstmals zitierbaren Bericht zur Funktestung in Munster werden nun weitere Fehler bekannt. Diesmal betrafen sie sogar einfachen Sprechfunk, insbesondere zwischen Kampfpanzern, in welche die neue Technik erstmals eingebaut worden war, etwa in den Leopard 2 A7V. Nach dem Einbau wurden plötzlich selbst einfache Funksprüche nicht mehr nur nicht übertragen, sondern beteiligte Soldaten konnten auch nicht mitbekommen, ob ihr Funkspruch denn nun gesendet war oder nicht.

Ein Befehl zum sofortigen Feuerstopp („Stopfen“) könne so nicht verlässlich gegeben werden, heißt es im Testurteil, was im Zweifel Lebensgefahr für Soldaten bedeute.

Seit Wochen fordern Bundestagsabgeordnete vergeblich Einsicht in den Testbericht der Bundeswehr. Im Verteidigungsausschuss hieß es zuletzt, das Dokument sei zu technisch und kaum verständlich. Nun liegt der Bericht WELT AM SONNTAG vollständig vor – und ist sehr wohl verständlich. Die technische Bewertung fällt „ungenügend“ aus, das System gilt als zu instabil. „Eine Benutzung des Gesamtsystems durch die Truppe kann im aktuellen Entwicklungsstand nicht empfohlen werden.“ (...)

Besonders heikel ist demnach auch, dass das sogenannte „Friendly Force Tracking“ (FFT) nicht funktionierte („nur sporadisch möglich“). Damit stiege bei einem realen Einsatz das Risiko, dass die Bundeswehr aus Fahrzeugen mit eingebauter neuer Funktechnik irrtümlich auf Kameraden oder Verbündete schießen würde. Kaltstartfähigkeit des Systems: „Negativ.“

Auf schriftliche Nachfrage ging das Ministerium inhaltlich weder auf die Mangelhaftigkeit noch auf mögliche Verbesserungen in letzter Zeit ein. (...)

Im Testbericht nun heißt es insgesamt: Selbst der reine Sprechfunk war „insgesamt als mangelhaft zu bewerten“. Funksprüche waren teilweise zudem zu leise, wörtlich ist sogar von „Aquariumsgeräuschen“ die Rede, also Gurgeln und Rauschen während Funksprüchen – und das bei einer Technik, die mehr als elf Milliarden Euro kostet. (...)

Die Funk-Umstellung ist nur ein Teil des Projektes D-LBO, bei dem es nicht nur um Sprechfunk geht, sondern um Datenaustausch und durchgängig digitale Führungssysteme für Landstreitkräfte. Ziel bei Einsatzreife ist eine Vernetzung von Soldaten, Fahrzeugen und Gefechtsständen. Zehntausende Fahrzeuge müssen derzeit digitalisiert werden. ..."

Ein Bericht der WELT.


 

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