Zugchef stoppt ICE für Klopapier-Notkauf:
Held oder Symptom?

 "Den Zustand eines Landes kann man davon ablesen, was seine Medien als Erfolg und Misserfolg verkaufen.

In Japan löst eine Zugverspätung von einer Minute eine offizielle öffentliche Entschuldigung aus. Als ein Shinkansen drei Minuten zu spät ankam – weil die Zugführerin eingenickt war – war das eine nationale Schlagzeile. In Deutschland – wo kleine Verspätungen gar nicht mehr als solche gelten – nähern wir uns dem Zustand, dass es eine Nachricht wert sein wird, wenn ein Zug mal pünktlich ankommt.

Womit wir beim Anlass für diesen kurzen Text sind – bei dem es nur vordergründig um die Bahn geht – sonst hätte ich ihn nicht geschrieben, versprochen. Stellen Sie sich für einen Moment vor, in Japan wäre in einem Zug das Toilettenpapier ausgegangen. Weil die Beladung ausfiel. Sie ahnen die Reaktion auf der Insel. In Deutschland ist genau das passiert. Und die Reaktion? Medien wie die „Bild“-Zeitung feiern jetzt den Zugchef als Helden, weil er seinen ICE auf dem Weg von Sylt nach Berlin außerplanmäßig angehalten hat und Toilettenpapier kaufen ging. ..."

Ein Bericht von BORIS REITSCHUSTER.


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